unsere erste Presseaussendung zu Rotlicht statt Blaulicht

Sehr geehrte Damen und Herren,

Hiermit möchten wir Sie auf unsere Kampagne „Lieber Rotlicht statt Blaulicht!“ aufmerksam machen und Sie um Berichterstattung ersuchen.

Die Initiative des Stuwerkomitees „Lieber Rotlicht statt Blaulicht!“ möchte eine konstruktive Diskussion zwischen Anwohner_innen, Sexarbeiter_innen, Vertreter_innen der involvierten NGO’s und Politiker_innen entfachen, wie die unerträgliche Situation bei uns im Viertel geändert werden kann.

Der Titel unserer Kampagne signalisiert bereits, dass wir als Stuwerkomitee, eine Gruppe von Anwohner_innen, der Überzeugung sind, dass nicht die hier ihrer Arbeit nachgehenden Sexarbeiter_innen das eigentliche Problem darstellen, sondern die scheinheilige Politik in Wien, die diese Sexarbeiter_innen pauschal als Spielball missbraucht und damit immer weiter an den unsicheren prekarisierten Rand drängt.

Wir als Anrainer_innen verwehren uns dagegen als Vorwand und Rechtfertigung dafür zu dienen, dass im Dienste einer Aufwertung und Gentrifizierung unseres Viertels die Sexarbeiter_innen noch weiter schikaniert, diskriminiert und kriminalisiert werden.

Wir wollen der Debatte die Doppelmoral aus den Segeln nehmen und uns für die Menschenrechte der Betroffenen, meist Frauen, einsetzen.

Wir sind der Meinung, dass die momentan noch erlaubte Strichzone im Prater weiterhin Erlaubniszone bleiben soll, solange keine gleichwertige oder bessere Lösung für die Sexarbeiter_innen durchgesetzt ist, ihrer Arbeit unter möglichst menschenwürdigen Bedingungen nachgehen zu können. Im Vergleich zu allen anderen in Wien erlaubten Zonen (Auhof, Brunnerstrasse) ist der Prater noch ein stadtnahes und für die Arbeitenden halbwegs sicheres Gebiet.

Wir wünschen uns dringend eine sachliche, wissenschaftlich fundierte Auseinandersetzung unter Verzicht auf emotionalisierende Rhetorik und dämonisierende Klischees. Wir plädieren für die Einbeziehung der Betroffenen und eine konstruktive Debatte, die intelligente Lösungen findet dafür, dass Sexarbeiter_innen möglichst sicher und möglichst selbstbestimmt ihrer ohnehin stigmatisierten Arbeit nachgehen können.

Wir anerkennen die Sexarbeit als historische wie gegenwärtige Realität in unserem Viertel und allgemein in unserer weiterhin patriarchalen Gesellschaft. Vor diesem Hintergrund erwarten wir, dass Sexarbeit in ihren Rahmenbedingungen derart geregelt wird, das sie einen akzeptierten Teil großstädtischen Lebens darstellt, der niemanden stört und niemanden diskriminiert.

Es gibt einige Modelle, wie das funktionieren kann.

Eine per Polizeischikanen und enorm aufwändigen Einsatz der Exekutivkräfte durchgesetzte Verbotspolitik, unter der wir im Stuwerviertel alle seit vielen Monaten leiden, ist jedenfalls keine Lösung.

Wir freuen uns darauf, in den nächsten Wochen bei verschiedenen Veranstaltungen aus verschiedenen Perspektiven über unsere Vorschläge zu diskutieren.

Aktionen

Mittwoch 18.9.2013 ab 18.30 Uhr

  • Info-Veranstaltung: „Geh’ma ins Puff!“
    Stuwergasse 5

Im Stundenhotel des Herrn Emmerich in der Stuwerstraße 5 werden am 18.9. ab 18.30 für einen Tag die Türen für alle offen, die sich aus erster Hand über Sexarbeit und Bedingungen der Sexarbeit im Stuwerviertel und in Wien informieren möchten. In je einem Zimmer des Stundenhotels steht ein Experte oder eine Expertin bereit, Fragen zu beantworten und als lebendes Buch aus dieser Welt zu erzählen. Gehen Sie durch die Räume und machen Sie sich ein Bild. In den Zimmern finden Sie:

Herr Emmerich, Betreiber eines Greißlerladens, nach dem Einzug des BILLA nebenan eines Hendlgrills und dann einer Privatzimmervermietung als Stundenhotel, berichtet über seine jahrzehntelange Erfahrungen und Einblicke. Was ändert sich, was gehört geändert? Wie könnte es denn laufen, dass alle, SexarbeiterInnen, Kunden, AnrainerInnen  zufrieden wären?

„Dani“, aktive Sexworkerin, beantwortet politische Fragen.

Christian Knappik, Sprecher des Vereines der SexarbeiterInnen und Senioradmin von sexworker.at spricht über Arbeitsbedingungen und Menschenrechtsverletzungen an Sexarbeiter_innen. Im Besonderen wird er auf das derzeit gültige Wiener Prostitutionsgesetz eingehen und auf dessen fatale Auswirkungen für die Situation der Betroffenen.

Moderiert wird die Info-Veranstaltung der Eva Müller vom Stuwerkomitee.

Mittwoch 25.9.2013 ab 19 Uhr

  • Podiumsdiskussion: „Lieber Rotlicht statt Blaulicht!“
    Lokativ, Arnezhoferstrasse 12

Auf der Bühne des Lokativ werden unter der Moderation von Tina Leisch vom Stuwerkomitee diskutieren:

Christine Nagl vom Projekt PIA, Information und Beratung für SexarbeiterInnen über ihre Erfahrungen zum Thema als Expertin

Frau Liane, Betreiberin eines Rotlichtlokals in Wien und frühere Sexarbeiterin mit und aus Leidenschaft über die Realität der Sexarbeit in Wien und Entwicklungen in den letzten Jahrzehnten.

 

… für den Oktober und Folgemonate sind weitere Veranstaltungen in Planung.

1 thought on “unsere erste Presseaussendung zu Rotlicht statt Blaulicht

Kommentare sind geschlossen.